Wein lesen: Wein-Jahrgangstagebuch 2016

Die Weintraubenlese 2016 ist bereits seit ein paar Wochen voll im Gang: Von den frühen Morgenstunden bis in die späten Abendstunden stehen wir nun täglich in unseren Weingärten und lesen die vollreifen Weintrauben per Hand von den Reben herunter. Nur in der septemberlichen Mittagshitze und der oktoberlichen Mittagskälte gibt es eine kurze Auszeit, die wir mit Vorfreude auf den neuen Weinjahrgang genießen.

Auf die Trauben, fertig, los!

Die Traubenernte hat heuer erst später als üblich begonnen: Kein Wunder, nach diesem turbulenten Jahr in der Landwirtschaft. Zumindest zeigte sich der Herbst von seiner besten Seite und lieferte alle Voraussetzungen für einen hervorragenden Weinjahrgang. Mit dem Ergebnis sind wir bisher sehr zufrieden und erwarten wunderbar fruchtige Weine mit komplexen Aromen.

Das Trauben-Jahr im Rückblick:

Jahresrückblick Frühjahr: Spätfrost im April, Hagel im Mai

Das Weinjahr 2016 hatte es wahrlich in sich: Dabei hatte es eigentlich so gut begonnen. Auf einen extrem milden Winter mit relativ wenig Schnee, folgte ein wunderschöner, warmer Frühling. Zu Ostern, am 27. März, begann bereits alles zu blühen. Knospen trieben um zwei Wochen früher aus als üblich - eigentlich ein Zeichen für einen besonders guten Jahrgang. Wir waren bereits voller Vorfreude!

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Foto: Frühroter Veltliner - mit dieser Sorte starten wir die Weinlese

Doch der Spätfrost im April machte nicht nur den Winzern einen Strich durch die Rechnung: 3 Nächte in folge endete der April mit Minus Graden. Um schlimmeres zu verhindern halfen sich viele Winzer mit dem Anzünden von Strohballen, um mit dem Rauch gefrorene Triebe zu schützen. Auch Helikopter kamen zum Einsatz, um die erzeugte, warme Luft nach unten zu drücken und damit die Knospen in den frühen Morgenstunden ganz langsam aufzutauen. Niederösterreich und speziell der Wagram ist dabei noch am besten davon gekommen - bei uns hatte es immerhin knapp über 0 Grad. Die Reben sind dadurch so gut wie verschont geblieben, nur die Marillen- und Nussbäume hat es stark getroffen. Keine einzige Marille konnten wir heuer ernten und Nüsse gab es auch nur in rarer Menge.

Als wäre das noch nicht genug, führte das instabile, schwüle Wetter im Mai - mit Temperaturen die eher an März oder April erinnerten - zu massiven Hagelunwettern: Rund 1.200 Hektar wurden im Weinbau beschädigt. Österreichweit gibt es deswegen hohe Ernteausfälle - für viele Winzer bereits die fünfte aufeinanderfolgende Weinernte mit unterdurchschnittlicher Menge. Eine Katastrophe für den Weinbau.

Jahresrückschau Sommer: Schwül und wechselhaft

Zu aller Trotz zeigte sich der Sommer dieses Jahr auch noch ganz zaghaft: Zwar krochen die Temperaturen bereits Mitte Juni auf 30 Grad, wurden jedoch durch Gewitter und Unwetter schnell wieder auf 20 Grad hinunter gedrückt. Es blieb wechselhaft, schwül und instabil. Heftige Niederschläge führten zu Überflutungen und Murenabgängen - auch der Kanal in unserem Hof hielt den regen Wassermassen nicht stand.

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Foto: Lage Wadenthal (Wein-Riede)

Dieses schwüle und wechselhafte Wetter hatte die Vegetationsentwicklung in den Weingärten rasch vorangetrieben: Aufgrund dieses zeitweise tropenartigen Klimas waren wir heuer ganz besonders gefordert. Krankheiten und Pilzbesatz unter den Rebstöcken mussten mehr als sonst bearbeitet werden. Auch Schädlinge und Vogelfraß machten ganz besonders zu schaffen. Schon lange hatten wir nicht mehr einen solchen harten und arbeitsintensiven Sommer wie heuer.

Herbst: Zumindest einer, der sich zu benehmen weiß

Zumindest der Herbst präsentierte sich heuer von seiner besten Seite und konnte dadurch noch einiges wettmachen: Zwar war mit 1. September der Sommer endgültig und mit einem Schlag vorbei, dafür zeigten sich die restlichen Tage wunderschön warm. Vereinzelt zeigte das Thermometer sogar über 30 Grad an - es war somit wärmer als an so manchen Hochsommer-Tagen. 

Der Temperatursturz kam in der 1. Oktoberwoche: Von 27 Grad am 28. September auf 2 Grad am 1. Oktober. Für die Trauben an sich gar nicht schlecht, da diese bei hohen Temperaturen bereits an der Rebe zu gären beginnen und sich das negativ auf die Qualität des Weins auswirkt. Kühlere Temperaturen hingegen konservieren die Traube, sodass sie frisch und unversehrt verarbeitet werden kann. Ein so extremer und rascher Kälteeinbruch ist aber natürlich auch nicht ideal - weder für die Trauben noch für uns Menschen. 

Weinlese 2016: Am 25. Oktober auch schon wieder vorbei

Mit 25. Oktober konnten wir die heurige Weinlese 2016 auch schon wieder erfolgreich abschließen - und sind heilfroh, dass wir die Trauben nun gut in den Keller gebracht haben. Traditionell haben wir auch heuer wieder die vollreifen Rieselingtrauben zuletzt gelesen. Davor wurde der Grüne Veltliner geerntet. 

Einen großer Brocken Arbeit haben wir also bereits hinter uns gelassen. Ein noch größerer Brocken Arbeit steht jedoch direkt vor uns. Den jetzt ist es Zeit für die Kellerarbeit, die sich oft bis spät in die Nacht hineinzieht...

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Foto: Vollreife Rieslingtraube - traditionell die letzte Sorte, die geerntet wird

Ganz besonders freuen wir uns heuer, dass wir nach diesem turbulenten Landwirtschaftsjahr alle Trauben erfolgreich in den Keller gebracht haben. Und dank des wunderbaren Herbst erwarten wir einen hervorragenden Jahrgang, der fruchtige Weine mit komplexen Aromen hervorbringt. Die neuen Weine können Sie ab Frühjahr 2017 bei uns im Wein-Onlineshop oder direkt Vorort verkosten. Wir freuen uns darauf!

Maria Hausdorf

Bio Winzerin

... hat mit Harald den Bioweinbetrieb aufgebaut. Ihre Leidenschaft ist das Kreative und die Natur.

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